Heimat, aus der Sicht von: Christine

… deren innere Heimat der Atlantik und die Ile d’Oleron sind.

 

Nach Hause kommen, ankommen, zu sich kommen.

Heimat, der Ort, der Dir sicher ist. Heimat ist etwas, aus dem man auch vertrieben werden kann. Der Vater löst das heimische Zimmer auf, um sein Arbeitszimmer draus zu machen. Man muss sich plötzlich anmelden, wenn man bei seinen Eltern übernachten will – empörend, schockierend, verletzend. Heimatlos ist man dann, selbst wenn man warm und weich auf dem eigenen Sofa sitzt, gesättigt von der letzten Mahlzeit.

Heimat, der Ort der kein Ort ist – Ich reise. Die erste Aufregung vor längerer Fahrt, keine Verpflichtung mehr, bis ich ankomme. Ich habe kein großes Gepäck dabei, nur so viel, wie ich tragen kann, macht mich aus. Was ist, wenn da, wo ich wohne, alles abbrennt – in solchen Momenten ist es mir egal, als würde ich nur noch aus dem bestehen, was ich bei mir habe: dem Nichts. Nur mich und dieses stolze Gefühl da zu sein, bei mir zu sein, angekommen zu sein. Hier, mitten zwischen überfüllten Wagen, dem Staub und Schmutz vieler Menschen, melancholisch im Nichts hängend, nicht angekommen, doch schon abgefahren, finde ich mich wieder.

Heimat, die Welt bekannter Gerüche und Geschmäcker. Der Duft meiner Mutter, das traditionelle Gericht. Ich habe mich losgelöst vom Gänsebratenessen zu Weihnachten, von der Forelle mit Mandeln am Tag danach, von Hummer und Garnelen im Sommer, vom Aal, den ich immer mit meinem Vater aß. Wie verrückt kämpfe ich, um mir die letzten Stücke Bekanntes zu bewahren: Das Rosinenbrötchen aus Norddeutschland statt der hier üblichen Bretzel, die Crêpes mit Butter und die Bugnes zu Sylvester, die galette des rois zum Dreikönigstag. Falsche Ente zu Rotkohl und wenn ich es könnte, würde ich den hässlichen Hasenbraten fälschen, der mir heute nicht mehr schmecken würde, weil er zu salzig ist.

Lass uns nach Hause gehen, das kann man auch zu seinem ersten Freund sagen und dabei nicht das eigene Zuhause meinen. Zu Hause, das ist dann da, wo Zwei allein sein können, ohne die Welt. Da, wo alles, was in Bewegung war, zur Ruhe kommt. Heimat kann dann auch das bekannte Reißen in der Brust sein, wenn man an den Schmerz zurückdenkt, der einen ab dem Tag der Trennung ausmacht.

Heimat, das was ich jeden Tag erschaffe: Bekanntes für meine Kinder. Was wird ihre Heimat sein?

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2 Gedanken zu „Heimat, aus der Sicht von: Christine

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