Eine ganz besondere Rundfahrt

Wer mich kennt, weiß, dass ich Island ebenso liebe wie die von dort stammende Band Sigur Rós. Und eine Kombination aus beidem – eine Fahrt durch Island mit Musik von Sigur Rós – ist für mich ziemlich nah dran am Nonplusultra. Wie gut, dass die Band nicht nur für ihre einzigartigen, mit simplen Worten kaum zu beschreibenden Klänge bekannt ist, sondern auch dafür, gerne Neues auszuprobieren. Und diese Experimentierfreude erstreckt sich nicht allein auf die Musik.

So hat die Band am Tag der Sommersonnenwende 2016 eine Fahrt rund um Islands Ringstraße Nr. 1 unternommen. Diese Straße führt einmal rund um Island (abgesehen von den Westfjorden und einigen abgelegeneren Gegenden im Norden des Landes), sie ist die Straße, die die meisten Touristen bei ihren Rundreisen zumindest zum Teil befahren, und sie ist auch die Straße, der mein Vater und ich bei unseren Touren in den Sommern 2005 und 2013 im Wesentlichen gefolgt sind. Aber im Gegensatz zu uns haben Sigur Rós und ihre Crew während der Fahrt nicht nur ab und zu Fotos gemacht. Sondern sie haben ihre Reise gefilmt. Komplett, von der ersten bis zur letzten Sekunde, die Kamera nach vorne auf die Straße gerichtet. Das wurde in Gänze live im isländischen Fernsehen ausgestrahlt, zusätzlich gab es einen Livestream auf YouTube. 24 Stunden, mehr als 1.300 Kilometer, begleitet von Klangelementen aus dem Song „Óveður“ (zu Deutsch: Unwetter).

Das Projekt, betitelt „Route One“, wurde nach dem Live-Event, aufgeteilt auf mehrere einzelne Abschnitte, als Videos auf YouTube hochgeladen – einmal in einer normalen Version und einmal als 360°-Erlebnis. Kurz nach dem Upload habe ich mir schon einmal fasziniert Ausschnitte aus den Videos angeschaut, und irgendwie bin ich dann gestern wieder darauf gestoßen. Und vielleicht schaffe ich es irgendwann, mir das Ganze komplett anzusehen (aber wohl besser nicht am Stück). Auch wenn man immer wieder größere Sprünge macht und sich nur hier und da ein paar Sekunden ansieht, bekommt man einen tollen Eindruck von der isländischen Natur, von der Weite und Leere großer Teile des Landes, von der kargen Schönheit baumloser Landschaften, von der nahezu permanenten Präsenz von Wasser als Meer, als Fluss, als Eisberg. Und von der für uns Mitteleuropäer kaum vorstellbaren Wechselhaftigkeit des isländischen Wetters. Wer den Wahrheitsgehalt des isländischen Sprichworts „Wenn dir das Wetter nicht gefällt, warte fünf Minuten“ bisher bezweifelt hat, wird durch „Route One“ eines Besseren belehrt.

Man muss nicht unbedingt ein Island-Fan sein, um sich von dem Projekt beeindrucken zu lassen. Und auch die Musik von Sigur Rós muss man nicht mögen (auch wenn ich fest davon überzeugt bin, dass einem im Leben etwas fehlt, wenn man sie nie live erlebt, so wie ich es vor Kurzem wieder einmal tun durfte). Es reicht schon, wenn man ein gewisses Faible dafür hat, sich per Google Maps in einer Gegend umzuschauen, in der man noch nie war oder nach der man Sehnsucht hat. Dann sollte man sich „Route One“ wenigstens häppchenweise einmal anschauen. Aber – kleine Vorwarnung für alle, auf die das mit der Sehnsucht ebenso zutrifft wie auf mich – so faszinierend die Videos mit ihren Bildern und Klängen auch sein mögen, eines können sie nicht ersetzen: das Gefühl von Wind in den Haaren, Salz auf der Haut, Freiheit im Kopf – das Gefühl, selbst in Island zu sein.

Für einen Vorgeschmack empfehle ich die fünfeinhalbminütige Time-Lapse-Version des Ganzen:

Hier geht’s zu „Route One“ in der normalen Version:

Und hier zum 360°-Erlebnis:

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