Bitte geht wählen, danke.

Ich hatte mir fest vorgenommen, vor der morgen anstehenden Landtagswahl eine Aufforderung an alle meine Bekannten in NRW zu verfassen, einen Appell, ja einen flammenden Aufruf, in jedem Falle morgen wählen zu gehen. Weil Nichtwählen aus meiner Sicht einfach keine Option ist. Ich habe hin und her überlegt, wie ich das Ganze formulieren sollte, welche Argumente ich verwenden könnte. Ich habe mehrere Entwürfe geschrieben und wieder gelöscht, weil ich das Gefühl hatte, nicht wirklich überzeugen zu können mit all den vielen Worten, die ich niederschrieb.

Und dann stolperte ich über einen Song, ein kleines, kurzes, simples, wunderbares Stück Musik von Tom Rosenthal, der darin überhaupt nicht politisch argumentiert, sondern die netten Nebeneffekte des Wählengehens betont:

„Don’t forget to vote – it gets you out of the house. Don’t forget to vote – it’s a rare chance to use a pencil. […]         Don’t forget to vote – you might meet the love of your life on the way.“

Ja, ich weiß, dass es bei dieser Wahl (und wohl auch bei der bevorstehenden Bundestagswahl) sehr schwerfällt, Toms Aufforderung „vote for the one that’s good“ nachzukommen. Ich kann momentan jeden verstehen, der sagt, er fühle sich von keiner Partei wirklich vertreten – mir selbst geht es nicht anders. Aber ich will auf keinen Fall, dass NRW das nächste Bundesland wird, in dem die AfD eine erschreckend und ekelhafte große Anzahl an Stimmen erhält. Und die ganzen AfD-Idioten, die wohl einzige Bevölkerungsgruppe, die in diesen Zeiten aus wirklicher Überzeugung an Wahlen teilnimmt, die werden morgen alle wählen gehen, davon bin ich überzeugt. Die Aussicht darauf, ihre Macht zumindest ein bisschen beschränken zu können, sollte für alle anderen Motivation genug sein, morgen mal eben ein paar Meter bis ins nächste Wahllokal zu gehen und die eigenen beiden Kreuzchen woanders zu machen – egal, wie bitter der Nachgeschmack sein mag, der sich ausbreitet, wenn man dies mit dem Gefühl tut, eigentlich nur das kleinste Übel gewählt zu haben, den Kompromiss, mit dem man noch am ehesten leben kann.

(Von Toms Vorschlag, einfach eine kleine Gans auf den Wahlzettel zu malen und damit eine ungültige Stimme abzugeben, halte ich übrigens nicht viel, aber wenn man sich wirklich gar nicht dazu durchringen kann, bei irgendeiner Partei sein Kreuzchen zu machen, würde man so wenigstens die Wahlbeteiligung erhöhen.)

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