Elf Fragen

Ich wurde nominiert. Nein, nicht für den Preis für die unzuverlässigste Bloggerin aller Zeiten (weil ich ständig irgendwelche Posts ankündige, die dann entweder gar nicht kommen oder aber viel später als angekündigt). Sondern für den Liebster-Award, der allerdings gar kein richtiger Award ist. Es geht bei dieser Aktion vielmehr darum, seinen Lesern andere gute Blogs vorzustellen und im Idealfall auch den eigenen Blog bekannter zu machen. Das Ganze so läuft ab: ein Blogger stellt einem anderen elf Fragen, der andere beantwortet diese und soll im Anschluss wiederum bis zu elf weiteren Bloggern jeweils elf Fragen stellen.

Nominiert wurde ich von meiner großen Schwester Laura, die seit Anfang 2016 einen Blog über ihre Lieblingsstadt, Budapest, betreibt. Sie schreibt über die schönsten Läden, die besten Cafés, die tollsten Orte für das ultimative Budapest-Erlebnis, aber auch über Politik und Hintergründe. Wer eine Reise in die ungarische Hauptstadt plant, sollte unbedingt mal vorbeischauen. Laura hat sich elf sehr gute Fragen an mich überlegt, die sich auf mein Leben und auf das Bloggen beziehen – und ich werde mein Bestes geben, sie gebührend zu beantworten.

1. Warum bloggst du? Für dich oder für andere?

Aus heutiger Sicht: in allererster Linie für mich selbst. Zwar habe ich ursprünglich mit dem Bloggen angefangen, um meine Freunde und Familie während meines Praxissemesters in Estland auf dem Laufenden zu halten, aber inzwischen ist die Motivation eine andere. Diesen Blog hier, handlungsfrei, habe ich begonnen, um mich selbst dazu zu bringen, mehr zu schreiben und diese seltsamen Hemmungen zu überwinden, die ich empfand (und bis zu einem gewissen Grad noch immer empfinde), wenn es darum ging, anderen Menschen meine Texte zu zeigen. Zwar gibt es nach wie vor viel zu viele viel zu lange Phasen, in denen ich fast gar nicht schreibe, aber insgesamt sind in den vier Jahren, die inzwischen seit meinem allerersten Post auf handlungsfrei vergangen sind, eine ganze Menge Texte zusammengekommen, von denen ich mir sicher bin, dass ich sie ohne den Blog nie geschrieben hätte. Das macht mich froh und auch ein bisschen stolz – und wenn die Texte dann auch noch von anderen gelesen werden, ist das umso schöner. Ich blogge selten und unregelmäßig, habe kein festes Thema, poste viel Text und wenig Bilder und meine literarischen Texte sind zumeist frei von wirklicher Handlung – alles ziemlich hinderliche Faktoren, wenn man mit einem Blog Erfolg haben will, aber das war auch nie mein Ziel.

2. Nervigstes Bibliothekarinnen-Klischee?

Im Grunde kann ich mich da gar nicht auf nur ein Klischee beschränken, aber nach einigem Überlegen habe ich festgestellt, dass ich eins noch nerviger finde als die weit verbreitete Vorstellung von der verhuschten grauen Maus mit Dutt, Hornbrille und Faltenrock und die absolut dämliche Frage, ob ich alle Bücher dieser Welt gelesen hätte: den Irrglauben, dass Bibliothekare den ganzen Tag nichts anderes tun als Bücher alphabetisch sortiert in Regale einzuräumen. Nein, dafür hätte ich wohl kaum fünf Jahre studieren müssen. Aber bevor ich mich darüber jetzt zu sehr auslasse, verlinke ich lieber nur kurz einen älteren Post zu genau diesem Thema und gehe zur nächsten Frage über.

3. Welches Buch muss jeder einmal gelesen haben?

Es erscheint mir unmöglich, diese Frage zu beantworten. Seit ich sie auf Lauras Fragenliste gelesen habe, grüble ich darüber nach. Ein paar Mal dachte ich, ich hätte eine Antwort gefunden, aber jeden einzelnen der Kandidaten, die ich mir im Laufe der Zeit notiert habe, habe ich bald wieder durchgestrichen. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich das Buch, von dem ich mit Überzeugung sagen könnte, dass wirklich jeder – vollkommen unabhängig von seinen persönlichen Interessen und literarischen Vorlieben – es einmal gelesen haben muss, selbst noch nicht gelesen habe. Vielleicht finde ich es eines Tages und schreibe dann einen Post darüber. Aber weil diese letzten fünf Sätze ein wenig so wirken, als wollte ich mich um eine Antwort drücken, will ich euch die Liste meiner Kandidaten nicht vorenthalten:

Franz Kafka : Der Prozess

Klaus Mann : Mephisto

Jon Krakauer : Into the Wild

Ödön von Horváth : Jugend ohne Gott

Tom McCarthy : Satin Island

Eiríkur Örn Norðdahl : Böse

Barbara Demick : Nothing to Envy

Halldór Laxness : Atomstation

Sofi Oksanen : Fegefeuer

(Und das sind nur die Bücher, die mir in den vergangenen paar Tagen eingefallen sind. Hätte ich nicht irgendwann festgestellt, dass das Nachdenken zu nichts führt, wäre die Liste sicher um einiges länger.)

4. Warum Estland?

Mein Estland-Blog liegt zwar schon seit geraumer Zeit brach (und ich bin noch immer unschlüssig, wie seine Zukunft aussieht), aber Laura hat mir diese Frage sicher nicht nur im Hinblick auf das Bloggen, sondern auf mein ganzes Leben gestellt. Ich kann nicht genau sagen, was es ist, aber Estland hat einfach irgendetwas mit mir gemacht, seit ich als Vierjährige zum ersten Mal dort war. Dieses unbeschreibliche Gefühl, das ich nur dort empfinde, hat sich so eingebrannt in mein Herz und mein Hirn, dass ich mindestens einmal im Jahr nach Estland reisen muss, um wirklich glücklich sein zu können. Das Gefühl setzt sich zusammen aus tausend kleinen Faktoren, aus tausend kleinen Eindrücken, die ich mit meinen Sinnen wahrnehme, wenn ich dort bin. Der unvergleichliche Geruch, den ein estnischer Wald verströmt. Der Klang toller Worte wie jäätis (Speiseeis), vabadus (Freiheit), mänguväljak (Spielplatz) oder õhtusöök (Abendessen). Das viele Grün im Sommer und das viele Weiß im Winter. Das lauwarme Wasser der Seen, die Hitze in einer alten Holzsauna, die Kälte der klaren Winterluft. Der Geschmack von Buttermilch mit kama, von frischen Beeren, von schwarzem Roggenbrot und von „Marianne“-Bonbons (die kommen zwar eigentlich aus Schweden, sind aber untrennbar mit meinen Kindheitserinnerungen an Estland verbunden). Das Knirschen des Schnees unter den Schuhsohlen und das Stimmengewirr in den Cafés und Bars von Tartu. Das Bild von „unserem“ grünen Häuschen in Otepää vor meinem geistigen Auge: auf der Wiese davor sitzt meine Mutter auf einem Handtuch in der Sonne und spielt Gitarre, während mein Vater im Schatten unter dem Vordach ein Buch liest und meine Schwester und ich – Kinder noch – ein Spiel spielen, für das wir nichts weiter brauchen als Phantasie und Unbeschwertheit. Und und und …

Ich finde Estland wunderschön, interessant und einfach sympathisch, ja charmant. Es ist das Land meiner Kindheitssommerferien, in meinem Kopf für immer verbunden mit meinen Eltern und meiner Schwester und mit einem unvergleichlichen Gefühl des Glücks und der Lebensfreude. Und mit dem bisher kältesten und schönsten Winter meines Lebens. Aber auch mit einer manchmal schmerzhaften Melancholie, die perfekt zum Ausdruck kommt in diesem Song der natürlich aus Estland stammenden Band Ewert and the Two Dragons, mit dem ich meine Antwort beschließen möchte:

„For once to be a child again, for once to feel like a child again, to be surprised by singing birds […] You will always be my first.“

5. Studium oder Berufsleben?

Schon wieder eine sehr schwierige Frage. Ich will jetzt nicht anfangen, all die Vor- und Nachteile der beiden Lebenssituationen aufzulisten, sondern vielmehr einfach aufschreiben, wie ich jetzt in diesem Moment über meine ganz subjektiven Erlebnisse und Eindrücke denke. Im Großen und Ganzen bin ich im Berufsleben momentan ziemlich glücklich. Ich genieße es, Teil eines Teams zu sein, mich jeden Tag austauschen zu können mit Menschen, die einen vergleichbaren fachlichen Hintergrund haben wie ich und die aus einer ähnlichen Motivation wie ich selbst beschlossen haben, dass sie in einer Bibliothek arbeiten möchten. Und einige dieser Menschen sind inzwischen zu Freunden geworden, die ich ohne den Job nie kennengelernt hätte. Außerdem ist es schön, zu erleben, dass das theoretische Wissen und die praktischen Erfahrungen aus Vorlesungen, Seminaren und Praktika tatsächlich einen Nutzen haben und dass ich mit dem, was ich gelernt habe, jetzt etwas beitragen kann zum Funktionieren einer Einrichtung, die wiederum einen Beitrag zum Studienerfolg anderer leistet. Und genau weil ich auf diese Weise jeden Tag mit Menschen in Kontakt komme, die noch im Studium sind, wird mir immer wieder klar, dass ich sehr froh darüber bin, dass ich nicht mehr für Klausuren Dinge auswendig lernen muss, ohne auch nur die geringste Ahnung zu haben, wie ich das eigentlich anstellen soll, und dass ich mich nicht mehr mit Abgabefristen und ähnlichen lästigen Dingen herumschlagen muss.

Allerdings machen mir diese Begegnungen natürlich auch immer wieder aufs Neue klar, dass meine eigene Studienzeit unwiederbringlich vorbei ist, dass ich weniger Freizeit und mehr Verantwortung habe (dafür aber auch mehr Geld, obwohl ich wirklich nicht gerade viel verdiene). Mehr noch als die Möglichkeit, abends ohne den ständigen Blick auf die Uhr etwas mit Freunden zu unternehmen und/oder morgens einfach im Bett liegen zu bleiben, wenn ich keine Lust habe, vermisse ich allerdings eines (und ich weiß, das klingt verrückt): das Dazulernen. Natürlich bildet man sich auch im Beruf weiter und sammelt wertvolle Erfahrungen, aber ich finde es schade, dass ich nicht mehr gezwungen bin, mich mit einem Thema so intensiv auseinanderzusetzen, wie ich es im Studium für Hausarbeiten und Projekte tun musste. Und natürlich habe ich in meinem Job nur noch mit einem kleinen Teil der vielen, breit gefächerten Inhalte aus dem Studium tatsächlich zu tun.

Aber ich erinnere mich noch sehr gut an die letzten Monate vor dem Beginn meines Berufslebens, die Phase, in der ich meine Masterarbeit schrieb, und in dieser Zeit habe ich nicht nur eine Menge über die Sprachenpolitik und das Bibliothekswesen Finnlands und Estlands gelernt, sondern auch etwas Wichtiges über mich selbst: dass ich eine gewisse Struktur in meinem Alltag ebenso brauche wie ein Mindestmaß an Sicherheit, was meine Zukunft angeht. Es fiel mir alles andere als leicht, mir meine Zeit, die ich in dieser Phase theoretisch restlos auf die Masterarbeit hätte verwenden können, sinnvoll einzuteilen. Und vor allem störte mich diese Ungewissheit, die fast mein gesamtes Leben durchzog. Ich wusste nicht, wie meine Abschlussnote ausfallen würde,  ob ich eine passende Stelle finden würde und wohin ich dafür umziehen müsste. Ich hatte Angst vor dem Scheitern und davor, für die finanzielle Sicherheit faule Kompromisse eingehen und meine Freiheit aufgeben zu müssen. Das liegt zum Glück inzwischen hinter mir und ich bin sehr froh darüber, nicht zuletzt, weil ich seit meinem ersten Tag im Job vergangenen Sommer sehr viele Situationen erlebt habe, in denen ich gespürt habe, dass ich mich damals für einen Studiengang entschieden habe, der wirklich der Richtige für mich war, für einen Beruf, den ich auch in der Praxis wirklich gerne ausübe. Ich finde es noch immer unmöglich, mir vorzustellen, dass ich für den Großteil meines restlichen Lebens fünf Tage die Woche jeweils acht Stunden mit Arbeiten verbringen werde, aber man hat in einem gewissen Rahmen immer die Möglichkeit, die Bedingungen, unter denen man das tut, selbst zu gestalten – und im Moment bin ich optimistisch, dass es mir auch weiterhin gelingen wird, mit und in diesem Rahmen glücklich zu sein. Das ist meine Antwort für jetzt – aber ich bin auch schon durch Phasen gegangen, in denen sie vollkommen anders ausgefallen wäre.

6. Stadt oder Land?

In meiner jetzigen Situation eindeutig Stadt. Ich habe fast mein ganzes bisheriges Leben in Städten gelebt, von denen fast alle nach den im jeweiligen Land angelegten Maßstäben als Großstädte gelten. Ich kenne es also im Grunde nicht anders und kann es mir auch nicht anders vorstellen. Jedenfalls nicht, solange wir über ein Leben in Deutschland sprechen. Vielleicht liegt es an den Kindheitserinnerungen an das kleine Dorf im Hunsrück, in dem wir einmal im Jahr für die traditionelle Familienwanderwoche eine Ferienwohnung mieteten – in meinem Kopf sind deutsche Dörfer jedenfalls immer irgendwie altmodisch, von leichtem Kuhmistmief durchzogen und von teils schrulligen alten Menschen bevölkert. Für den Urlaub ganz nett, aber ein Leben konnte ich mir in einer solchen Umgebung nie vorstellen (auch wenn mir heute natürlich klar ist, dass nicht jedes deutsche Dorf gleich ist). In einem skandinavischen oder estnischen Dorf mit bunten Holzhäusern und einem Badesee hingegen schon eher, aber auch das besser als Zweitwohnsitz. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Ich empfinde die Großstadt zwar so manches Mal als voll, laut und anstrengend, aber ich mag Konzerte und Theater und Kino und ab und zu Shoppen und Abende mit Freunden in Restaurants und Bars, und ich mag es, danach zu jeder Uhrzeit ziemlich problemlos noch nach Hause zu kommen und auf ein Auto verzichten zu können. Im Moment will ich genau das. Für die Zukunft kann ich mir gut vorstellen, in einer Stadt mit etwa 50.000 bis 100.000 Einwohnern (in Deutschland oder durchaus auch im Ausland) zu wohnen, wo die Wege kurz sind, man aber trotzdem noch einiges unternehmen kann.

7. Hund oder Katze?

Im Grunde möchte ich zumindest momentan überhaupt kein Haustier haben – einfach, weil ich noch nie eins hatte und mir nicht vorstellen kann, dass ich es alleine sonderlich gut hinbekommen würde, mich so darum zu kümmern, wie man es tun sollte – , aber wenn, dann würde ich mich ganz klar für einen Hund entscheiden. Das ist eigentlich komisch, wollte ich doch als Kind immer eine Katze, aber seitdem ich in Stuttgart in einer WG gewohnt habe, in der auch zwei Hunde lebten, hat sich das geändert.

8. Facebook oder Instagram?

Facebook. Zwar nutze ich diese Plattform heute um einiges weniger und vor allem ganz anders als ich es einmal getan habe, aber ohne sie wäre mein Studium deutlich beschwerlicher gewesen (wir hatten insbesondere in Stuttgart eine sehr aktive und hilfreiche Facebook-Gruppe für unser Semester) und mit einigen Menschen wäre ich heute sicherlich nicht oder nicht mehr befreundet, wenn ich Facebook nicht nutzen würde. Instagram mag ich zwar auch ziemlich gerne, aber wenn man ehrlich ist, ist das ja nicht viel mehr als ein bisschen Scrollen durch schöne Bilder, die Fernweh oder Neid oder ein Schmuzeln auslösen. Natürlich kann man sich ganz grundsätzlich die Frage stellen, ob man soziale Netzwerke wie diese beiden wirklich braucht (und die Antwort lautet wahrscheinlich Nein), aber wenn ich mich mit dem Wissen um den Einfluss der beiden genannten Plattform auf mein Leben in den letzten Jahren für eine von beiden entscheiden müsste, dann wäre das eindeutig Facebook.

9. Was macht dich traurig?

Als ich diese und die nächste Frage auf Lauras Liste las, musste ich an die Freundschaftsbücher denken, die wir und unsere Grundschulfreunde damals ausgetauscht haben, und die neben Fragen zu Traumberuf und Lieblingstier auch immer die Rubrik „ich mag: … / ich mag nicht …“ enthielten. Vor allem Letzteres kam mir schon damals vor wie eine rein rhetorische Frage, war doch klar, dass jedes Kind etwas gegen Streit, schlechte Noten und Rosenkohl einzuwenden hatte. Auf der Suche nach einer besseren Antwort aus heutiger Sicht ist mir dann aber schnell klar geworden, dass „traurig“ ein sehr großes Wort ist, das nur selten passt. Vieles, was ich nicht mag, macht mich eher wütend, wenn es denn überhaupt wirklich mehr auslöst als nur ein irgendwie unangenehmes, lästiges Gefühl. Und dann gibt es ja auch nochmal einen Unterschied zwischen den Dingen, die mich aus einem gewissermaßen egoistischen Blickwinkel auf mein eigenes Leben traurig machen, und denen, deren traurigmachende Wirkung mit der Welt im Ganzen zusammenhängt. In beiderlei Hinsicht ist es vermutlich unmöglich, eine allumfassende und dauerhaft gültige Antwort zu geben, deshalb schreibe ich jetzt zu beiden Perspektiven einfach – quasi aus dem Bauch heraus und ohne den Anspruch auf Vollständigkeit – auf, was mir jetzt, in diesem Moment, dazu einfällt.

In Bezug auf mein eigenes Leben macht mich traurig: Dass ich so viele Menschen und Orte nicht einfach besuchen kann, wenn ich sie brauche. Dass ich aus einer blöden Mischung aus Bequemlichkeit, Selbstzweifel und Mutlosigkeit bestimmte Potenziale nicht genutzt habe, solange ich wirklich noch so jung war, dass ich mir einreden konnte, ich hätte noch schier unendlich viel Zeit. Dass ich nicht zeichnen, nicht tanzen und nicht vor anderen Menschen singen kann. Dass ich mich in bestimmten Situationen bestimmten Menschen gegenüber so verhalten habe, dass am Ende mindestens einer von uns (nicht selten in erster Linie ich selbst) darunter leiden musste. Traurig machen mich auch manche Songs, Texte und Filme. Und – vielleicht mehr als alles andere – die Gewissheit, dass alles im Leben und das Leben selbst endlich ist.

In Bezug auf die Welt im Ganzen macht mich traurig (und dieser Teil meiner Antwort ist unverkennbar geprägt durch aktuelle Ereignisse): Terror, Gewalt, gefährlicher Fanatismus, Machtgier und die Tatsache, dass die Menschheit offenbar unfähig ist, aus der Geschichte zu lernen.

10. Was macht dich glücklich?

Ich weiß, das klingt furchtbar abgedroschen, aber ich glaube tatsächlich, dass es die kleinen Dinge sind, die glücklich machen, und dass man das Glück in kurzen Momenten bemessen sollte. Weil man, meine ich, nie in restlos allen Aspekten des Lebens glücklich ist, schon gar nicht dauerhaft. Welche kleinen Dinge es genau sind, die für ein Glücksgefühl sorgen, ist sehr situationsabhängig. Eine Liste der kleinen Dinge, die mich glücklich machen, würde viel zu lang und doch nie fertig werden, deshalb will ich damit jetzt gar nicht erst anfangen, sondern stattdessen etwas eigentlich ziemlich Großes nennen, das mich immer glücklich macht: gute Gespräche und Lachen mit dem oder den richtigen Menschen – und „richtig“ meint hier, dass ich mit diesem oder diesen Menschen das Gefühl habe, ganz genau so sein zu können, wie ich nun einmal bin.

11. Wo siehst du dich in zehn Jahren?

Ganz ehrlich: keine Ahnung. Ich glaube, bei einer solchen Frage gerät man leicht in Versuchung, sein zukünftiges Leben so zu schildern, wie man es gern hätte, wie man es sich wünscht – oder aber in dem Bestreben, sich selbst vor Enttäuschungen zu bewahren, einen ungesunden Pessimismus Oberhand gewinnen zu lassen. Beides ist vermutlich nicht besonders hilfreich. Stattdessen habe ich immer wieder versucht, mein zukünftiges Ich von 2027 vor meinem geistigen Auge zu sehen – vergebens. Ich sehe nichts, ich habe keine Vision von meiner Zukunft. Ich habe kein Problem mit der Vorstellung, dass ich in zehn Jahren noch immer als Bibliothekarin arbeite, aber mehr kann ich zu dem Thema wirklich nicht sagen, abgesehen von dem einen Wunsch, den zu nennen ich mir dann doch nicht verkneifen kann: ein kleines bisschen wie auch immer gearteter Erfolg mit dem Schreiben als zweites Standbein wäre schön.


Das wär’s. Vielen Dank an Laura, die mich mit diesen Fragen wirklich herausgefordert hat, und die ich für ihre Fähigkeit bewundere, die an sie gerichteten elf Fragen so kurz und präzise zu beantworten. Und danke an alle, die das hier gelesen haben.

Nun darf ich selbst noch elf Fragen an andere Blogger stellen. Ich möchte gerne zwei Mädels befragen, die eine ganz andere Art von Blogs betreiben und deutlich mehr Leser haben als ich selbst. Juliane von Julies Dresscode und Sophia von The Fashion Issue bloggen jede auf ihre eigene Weise über Mode, begleitet von vielen Fotos, für die sie selbst vor der Kamera stehen. Obwohl Mode nicht unbedingt mein Thema ist, verfolge ich beide Blogs gerne, da ich Juliane aus dem Studium in Leipzig und Sophia durch die Arbeit hier in Dortmund kenne. Ich hoffe, ihr habt Lust darauf, meine Fragen zu beantworten. Hier sind sie (die letzten beiden habe ich aus Lauras Liste geklaut, weil ich es mir sehr spannend vorstelle, zu sehen, wie unterschiedlich sie von unterschiedlichen Menschen beantwortet wird).

  1. Wie und warum hast du mit dem Bloggen angefangen?
  2. Was war das schönste Erlebnis, das dir dein Blog bisher ermöglicht hat?
  3. Was war deine größte Modesünde als Teenager?
  4. Was sind deine Ziele für deinen Blog?
  5. Und was sind deine Ziele für dich persönlich, abseits vom Bloggen?
  6. Welche Persönlichkeit aus der Modewelt würdest du gerne einmal treffen?
  7. Begegnest du manchmal Vorurteilen gegenüber Modebloggerinnen, also einem bestimmten negativen Image?
  8. Gibt es ein Kleidungsstück, auf das du nicht verzichten könntest? Wenn ja, welches?
  9. Wohin möchtest du unbedingt eines Tages reisen?
  10. Was macht dich traurig?
  11. Was macht dich glücklich?
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4 Gedanken zu „Elf Fragen

  1. Danke für die Nominierung liebste Eva :) Dein Beitrag ist (wie immer) toll zu lesen. Ich war zwar noch nie in Estland, kann deine Begeisterung für ein Land aber auf jeden Fall nachvollziehen. Das ist einfach etwas, was sich niemals ändern wird und für manche vielleicht immer unerklärlich bleibt :D. Ich beantworte natürlich gerne deine Fragen!

    Fühl dich gedrückt, Sophia :)

  2. Danke für die Nominierung liebe Eva und sorry, dass ich so spät darauf reagiere. Dein Post zu den Fragen ist wirklich schön geworden. Einige Punkte würde ich glatt unterschreiben: manche Dinge hätte ich mich auch lieber schon getraut als ich jünger war. Vor allem die Zeit vom Studium ist nur so weggerannt. Ich werde meiner Nominierung auf jeden Fall nachkommen, versprochen :)
    Liebe Grüße,
    Julie

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