Alltag in Farnham

Dieses Mal gibt es meinen sonntäglichen Post ausnahmsweise mal nicht erst dann, wenn in Deutschland schon der Montag angefangen hat. Wie ihr seht, ist das Design des Blogs wieder anders, und jetzt bin ich auch sehr zufrieden damit (abgesehen von der Sache mit den Fotos, die sich aber wohl wirklich nicht im Nachhinein für alle Posts ändern lässt) – sogar das Orange ist zurück! Es kann sein, dass ich in der nächsten Zeit noch ein bisschen mit den Schriftarten und anderen Kleinigkeiten rumprobiere, aber im Großen und Ganzen wird es, denke ich, so bleiben. Simpel und minimalistisch wie von Anfang an (ich bin nach wie vor der Meinung, dass die Texte das sind, was zählt), aber doch ein bisschen chicer, finde ich.

Nun aber zur vergangenen Woche. Von Montag bis Donnerstag ging es für mich ganz normal mit dem Projekt weiter, allerdings habe ich es am Dienstag geschafft, die Unterlagen der Herbert Read Gallery in Canterbury fertig abzuarbeiten (bis auf das Katalogisieren, das kommt demnächst), und konnte mit den Sachen der James Hockey & Foyer Galleries auf dem Campus hier in Farnham anfangen. Die Foyer Gallery ist sehr klein, eigentlich nur eine kleine Fläche im Eingangsbereich, die momentan für eine Ausstellung umgestaltet wird, die es ab dem 1. September zu sehen geben wird. Die größere James Hockey Gallery befindet sich in einem Raum direkt hinter dem Foyer. Beide Galerien werden so gut wie immer gemeinsam genutzt und genannt. Ich muss übrigens zugeben, dass ich keine Ahnung habe, wer James Hockey ist oder war, und bisher auch nicht herausfinden konnte, er scheint nicht so bekannt zu sein wie der Dichter und Kunstphilosoph Herbert Read oder die Modedesignerin Zandra Rhodes, nach der die Galerie auf dem UCA-Campus in Rochester benannt ist. Auch hier in Farnham gibt es jedes Jahr mehrere Ausstellungen, sowohl von Studenten und Mitarbeitern als auch von bekannten Künstlern, die teilweise selbst an der UCA beziehungsweise einer ihrer Vorgängerinstitutionen studiert haben. Die Geschichte der Uni, die übrigens erst seit 2008 überhaupt Universitätsstatus hat, ist relativ komplex und geprägt von mehreren Campuszusammenlegungen und -schließungen, Umstrukturierungen und Umbenennungen. Die neueste Veränderung liegt erst etwas mehr als ein Jahr zurück, da wurde nämlich der Campus in Maidstone (Kent) geschlossen und damit die Zahl der Standorte auf vier reduziert.

Die Unterlagen zu den Ausstellungen, die hier stattgefunden haben, sind neuer und etwas besser geordnet als die aus Canterbury, wurden allerdings noch weniger sachgerecht aufbewahrt (alles voll von Tackernadeln, Büroklammern, Klarsichthüllen und säurehaltigen Pappmappen – alles nicht gut fürs Papier). Immerhin wurde aber nicht, wie in Canterbury, alles in mindestens zwei-, gerne auch mal dreißigfacher Ausführung aufgehoben. Auch hier gab es in den letzten Jahren sehr interessante Ausstellungen, zum Beispiel eine zum Thema Lichtmalerei. Außerdem versucht man hier offenbar gerne, die lokale Öffentlichkeit, vor allem aber Kinder und Jugendliche, in die Arbeit der Galerien einzubeziehen, und zwar in Form von Workshops und Ausstellungen von Kunstwerken von Schülern. Im Anschluss an die Ausstellung eines Fotografen gab es zum Beispiel einen Workshop, bei dem eine Gruppe Jugendlicher eine Woche lang ihren Alltag fotografierte. Diese Fotos wurden schließlich auch ausgestellt und zeigten sehr schön, welche Unterschiede die Lebensweisen der Teilnehmer aufweisen, die sich doch eigentlich so ähnlich sind, was zum Beispiel ihr Alter und ihren Wohnort betrifft.

Am Donnerstag war ich bei einem Meeting dabei. Zwei Vertreter der Firma Arkivum kamen in unser kleines, chaotisches Archivbüro, um ihre Angebote vorzustellen. Arkivum bietet Lösungen für die sichere und dauerhafte Speicherung von Daten. Bei mir kamen dunkle Erinnerungen an das Modul „Lanzeitarchivierung“ im vorletzten Semester hoch, aber vieles war mir auch neu. Wenn man sich immer mit Papier und analogen Medien befasst und sich Gedanken darum macht, wie diese am besten erhalten und gelagert werden können, neigt man dazu, die ganz eigenen Schwierigkeiten, die die Verwendung und Speicherung digitaler Informationen mit sich bringt, ein bisschen aus den Augen zu verlieren. Da die UCA – vor allem auf dem Campus in Farnham – neben der klassischen Kunstausbildung auch eine ganze Menge Studiengänge anbietet, in denen digitale Medien eine entscheidende Rolle spielen (so zum Beispiel Animation, Computer Games Arts oder Digital Film & Screen Arts), und heutzutage natürlich sowieso Unmengen von Daten ansammelt, werden solche Dienstleistungen immer wichtiger. Auch wenn es nicht unbedingt mein Traum ist, mich später im Beruf mit solchen Dingen zu befassen, fand ich es sehr interessant und bin gespannt, ob die UCA sich eines Tages tatsächlich für eine Zusammenarbeit mit Arkivum entscheiden wird. Der Vortrag wurde übrigens zwei Mal unterbrochen, da am Donnerstag die Ergebnisse der GCSE-Tests (General Certificate of Secondary Education, entspricht etwa dem deutschen Realschulabschluss) bekanntgegeben wurden und beide Vertreter Anrufe beziehungsweise SMS von ihren Kindern bekamen, die soeben erfahren hatten, wie es für sie gelaufen war. Den Gesichtern der Väter nach zu urteilen waren sie wohl erfolgreich.

Den Freitag Vormittag verbrachte ich in der Digitalisierungsabteilung, wo Lorna und ich es endlich hinbekamen, eines der mit meiner Hilfe digitalisierten Sketchbooks fertigzustellen (das mit der vom Kohleabbau inspirierten Mode). Das hat sich leider ziemlich lange hingezogen, da einige Scans aus unerfindlichen Gründen einen Lila-Stich hatten, den wir mit Photoshop nicht wegbekommen haben und der auch bei einem zweiten Scanversuch wieder da war. Außerdem gab es letzte Woche Probleme mit „Turning The Pages“, der Plattform, auf der man sich die digitalisierten Bücher ansehen kann. Irgendwann haben wir dann beschlossen, die Verfärbung einfach hinzunehmen – außer uns und der Studentin, die das Sketchbook angelegt hat, merkt das vermutlich sowieso keiner – und konnten das Werk hochladen. Online ist es, wie ich eben festgestellt habe, noch nicht, ich glaube, das muss erst noch freigeschaltet werden. Vermutlich wird es nächste Woche soweit sein, ich werde es dann mal verlinken.

Am Freitag Nachmittag dann ging es für mich ans Katalogisieren der Bob-Godfrey-Privatbibliothek mit Nicky. Die UCA-Bibliothek verwendet das Bibliotheksmanagementsystem Symphony, das ich bisher nur vom Namen her kannte, aber ich finde es eigentlich ziemlich verständlich und intuitiv bedienbar. Es bedeutet natürlich immer eine Umstellung, wenn man zum ersten Mal in einem anderen System katalogisiert, aber Nicky hat alles so gut erklärt, dass ich es wahrscheinlich selbst dann hinbekommen hätte, wenn ich überhaupt noch nie zuvor irgendwas katalogisiert hätte. Nachdem wir ein Buch zusammen bearbeitet hatten, meinte sie: „I think you know what you’re doing“, machte mir einen Tee und ließ mich selbstständig weiterarbeiten. Stichwort Tee: ich trinke gerade auch einen. Es ist inzwischen so normal für mich geworden, an einem Arbeitstag mindestens drei Tassen Tee (ohne Zucker, aber mit etwas Milch) zu trinken, dass ich auch am Wochenende dauernd das Bedürfnis verspüre, mir eine „cuppa“ zu machen. In der UCA werde ich meistens schon kurz nach Arbeitsbeginn gefragt, ob ich einen Tee möchte, und am Freitag hat Lorna sich mehrfach bei mir dafür entschuldigt, dass leider keine Milch mehr da ist. Ich sehe mich schon im Herbst an meiner Masterarbeit sitzen und dabei ständig Tee mit Milch schlürfen. Vielleicht hilft das ja.

Ansonsten habe ich die ziemlich verregnete Woche größtenteils zu Hause verbracht, gelesen, gekocht, mich mit meinem neuen Mitbewohner unterhalten und so weiter. Am Wochenende war ich dann komplett alleine hier und habe das auch ziemlich genossen, da ich diese Freiheit schon seit über drei Wochen nicht mehr hatte. Gestern hatten wir hier fast 30 Grad, da hatte ich keine große Lust, etwas zu unternehmen und habe mich nach einem kurzen Spaziergang durch die Stadt einfach in den Garten gesetzt und mich entspannt. Heute ist es wieder deutlich kühler und es regnet immer wieder mal – also auch kein Tag für einen Ausflug. Aber so ein faules Wochenende muss ja auch mal sein. Und sooo faul war ich auch wieder nicht, ich habe unter anderem Wäsche gewaschen und gebügelt, das Blogdesign umgestellt, ein bisschen was geschrieben und mein Buch zu Ende gelesen („Seating Arrangements“ von Maggie Shipstead, kann ich eindeutig empfehlen, genau wie auch den anderen Roman dieser Autorin). Das ist ja auch schonmal was.

Das war alles in allem nicht die spannendste aller Wochen, und Fotos habe ich auch keine gemacht. Aber ich mochte sie, diese Woche, und deshalb verdient sie auch einen guten Song, einen, den ich in letzter Zeit ständig hören könnte, ohne jemals Langweile zu empfinden: „Warm Wave“ von Tenfold Rabbit. Hier ist er in einer Liveversion von einem Auftritt der Band, die sich leider Anfang des Jahres aufgelöst hat, im estnischen Fernsehen. Viel Spaß damit. Ich mach mir jetzt noch einen Tee.

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2 Gedanken zu „Alltag in Farnham

  1. Muss ja auch gar nicht sein . . . , immer Programm. Und so groß ist F’ham ja nun auch nicht, dass wir da ständig eine Riesenbilderflut erwarten dürfen.

    1. Stimmt! Aber es gibt noch so einige Ecken in der Stadt bzw. in den Außenbezirken, die ich noch gar nicht gesehen habe (z. B. die Ruinen der Waverley Abbey, den Alice Holt Forest, Farnham Castle von innen, die Seen in Frensham, …) Das kommt aber bestimmt noch! :)

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