Hundstag

Es folgt noch einmal ein kurzer Ausschnitt aus meinem ersten Roman, auf den ich gerade gestoßen bin. Kleine Anmerkung zum Verständnis: zu Anfang der Geschichte ist Tobias, die Hauptperson, nach London gereist und hat dort Morten und seinen Hund, die später Tobias‘ Mitbewohner werden, kennengelernt.

Es ist einer dieser Tage, an denen man zu motiviert zum Rumhängen ist und zu unmotiviert zum Aktivsein. Momentan befinde ich mich in der Haltung, die ich in einem solchen Fall im­mer einnehme: Ich sitze. Sitzen ist viel unverbindlicher als Liegen oder Stehen. Wenn ich nämlich einmal liege, dann liege ich. Für drei Stunden, für einen Tag oder auch für immer. Wenn ich stehe, ist mir das nach kurzer Zeit zu unbequem und ich muss irgendwas machen. Mich hinlegen zum Beispiel. Sitzen ist da die beste Lösung, sozusagen das ideale Zwischen­ding.

Die Langeweile bleibt trotzdem nicht aus. Bald finde ich mich fernsehend wieder, und das nachmittags um kurz vor drei. Das verstößt stark gegen mein Prinzip, nicht vor 19 Uhr den Fernseher einzuschalten. Da ich das Programm schon um viertel nach nicht mehr ertragen kann, greife ich zur Tageszeitung, für die heute Morgen beim Frühstück mal wieder keine Zeit blieb. Bald habe ich sie durchgeblättert und sitze daraufhin einige Minuten einfach nur so da, starre stumpfsinnig vor mich hin und frage mich, was ich hier eigentlich gerade ma­che. Als mein Nachbar vorbeikommt und mich fragt, ob ich bis morgen auf seinen Hund auf­passen könne, empfinde ich das geradezu als Rettung und stimme zu.

Wir gehen spazieren. Was man mit einem Hund eben so macht. Es erinnert mich an meine Spaziergänge mit Morten und Hund in London, nur dass es nicht regnet, dass ich alleine bin und dass der Hund Bello heißt. Bello. Was für ein Name. Gut, Hund ist jetzt auch nicht gera­de der einfallsreichste Name der Welt, aber Bello? Bello kann an Dämlichkeit nur noch von Waldi und Fifi getoppt werden. Wobei ich mich schon immer gefragt habe, wie eigentlich mal jemand auf Waldi kam. Vielleicht bin ich auch einfach nur beeinflusst durch Waldemar Hartmann, der in meinem Kopf für immer mit dem Namen Waldi verbunden sein wird, aber man muss den Namen mal wörtlich nehmen. Waldi. Wald plus I. Ein kleiner Wald oder was? Und gibt es in anderen Sprachen eine Entsprechung zu diesem deutschen Klischeedackel­namen? Und darf man einen Schoßhund, also einen, der noch nie einen Wald gesehen hat, geschweige denn in einem gelaufen ist, Waldi nennen? Wenn es nach diesem Prinzip ginge, müssten die meisten Hunde wohl Straßi heißen.

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3 Gedanken zu „Hundstag

    1. Freut mich, dass auch ein Text, den ich vor mittlerweile 10 Jahren geschrieben hab, dich noch zum Lachen bringt! Ich hab übrigens auch noch eine Textstelle gefunden, in der es um eine Nachbarin geht, die „in ganz Bonnenbroich für ihren skeptischen Blick bekannt“ ist …

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