Live-Musik im Februar

Nachdem im Januar konzertmäßig erstmal so gar nichts los war, war ich im Februar gleich auf vier Konzerten, alle in Stuttgart (überhaupt habe ich das Gefühl, dass inzwischen mehr Kon­zerte hier in der Stadt stattfinden, man muss nicht mehr für alles nach Karlsruhe, Frank­furt oder München fahren). Sie waren alle toll, aber auf sehr unterschiedliche Art und Weise. Ich habe wieder zu jeder Band, die mir gefallen hat, einen Song verlinkt.

Valdimar und Kapnorth (01. Februar)

Die Bild-Zeitung hätte getitelt: „Wikinger-Alarm in Stuttgart!“ Oder so ähnlich. Wenn die Bild-Zeitung denn über Veranstaltungen wie diese berichten würde. Zusammen mit meinem Freund und einer Freundin versuche ich, im Café Galao einen Platz zu finden, an dem man nicht im Weg steht und trotzdem noch etwas von der kleinen Bühne zu sehen bekommt. Ei­ne echte Herausforderung, denn wie eigentlich immer bei den Gratiskonzerten im Galao ist es sehr voll. Und es ist zu kalt, um sich lange draußen aufzuhalten, weshalb sich schon eine Stunde vor Beginn fast alle Zuschauer hier drinnen eingefunden haben. Die Gruppe junger Leute ne­ben uns spricht Englisch und Isländisch. Man erkennt die Isländer so­fort, auch wenn fast alle Frauen ihre Haare dunkel gefärbt haben. Sie trinken Weißwein und Bier der Marke „Wasted German Beer“, ständig läuft jemand zur Bar, um Nachschub zu holen. Die Deut­schen in der Grup­pe erkennt man hauptsächlich an ihrem Akzent, wenn sie Eng­lisch spre­chen.

Die erste Band des Abends, Kapnorth, kommt allerdings weder aus Island noch aus Deutsch­land, sondern aus Luzern in der Schweiz. Doch sie haben ihr Album „Thunder Lightning Storm“ in Island auf­genommen (und ihren Aufenthalt dort in mehreren Videos festgehalten, die man auf ihrem YouTube-Kanal anschauen kann). Fast-Wikinger sozusagen. Und so klingt auch ihre Musik. Der isländische Musiker Ólafur Arnalds hat bei einem Konzert vor ein paar Jahren gesagt, dass alles, was ein Isländer schreibt und/oder komponiert, unweigerlich nach Island klingt – das gilt anscheinend auch für Ausländer, die in Island Musik aufnehmen. Der Einfluss der Zeit, die die Band in Island verbracht hat, ist deutlich zu hören, die Songs gehen in Richtung (elektronischer) Postrock, sie sind komplex, sphärisch, verträumt, zum Teil aber auch düster. Ich kenne wenige andere Alben, deren Titel so gut zu der Musik passen, die man darauf findet. Man kommt wohl kaum darum herum, Natur und Klima einzufangen, wenn man in Island kreativ ar­beitet.

Das Galao ist für mich zwar inzwischen zu einer vertrauten Konzert-Location geworden, aber trotzdem habe ich das Gefühl, dass die Art der Musik, die gespielt wird, das Café jedes Mal ein wenig anders erscheinen lässt. Als würde es sich den Klängen anpassen, die gerade auf der Bühne produziert werden. Kapnorth machen das kleine Café zu einer Art Traumort, der überall sein könnte, der für jeden woanders ist. Ich komme nicht umhin, an Island zu den­ken. Mit dem geradezu epischen Song „Eruptor Core“ beenden die Schweizer ihr Set und man merkt dem Publikum deutlich an, dass dies eine Vorband war, die man gerne noch län­ger auf der Bühne gesehen hätte. Als sie gehen, erwachen alle aus ihrem persönlichen Traum. Der danach aber durchaus fortgesetzt werden kann.

Denn jetzt kommen wirkliche Isländer auf die Bühne. Valdimar heißen Valdimar, weil ihr Sänger so heißt. Und der ist auch ganz eindeutig das Zentrum der Band – schon allein wegen seiner Statur. Ich hatte vor dem Konzert schon ein Bild der Band im Internet gesehen, so dass ich Valdimar direkt erkannte, als er vor dem Galao an einem Tisch saß. Ich glaube, viele im Publikum fragen sich, wie er mit seinem massigen Körper auf der kleinen Bühne Platz fin­den könnte, zumal auch noch vier andere Bandmitglieder dabei sind. Aber spätestens, als er anfängt zu singen, sind alle blöden Dickenwitze aus den Köpfen verschwunden. Denn seine Stimme ist wirklich beeindruckend. Er singt auf Isländisch, und ich merke wieder einmal, wie wunderbar sich diese Sprache zum Singen eignet. Es ist ganz egal, dass ich nur ein paar ein­zelne Wörter verstehen kann – jemand wie Valdimar könnte mir auch Gebrauchs­an­weisungen oder Packungsbeilagen vorlesen, und ich würde es toll finden.

Die Musik von Valdimar klingt ebenfalls eindeutig nach Island, aber auf etwas andere Weise als die von Kapnorth. Während ich beim Auftritt von Kapnorth vor allem sturmumtoste schwarze Felsen und kreisende Möwen an der Küste vor meinem geistigen Augen gesehen habe, fühle ich mich jetzt eher wie bei einer Autofahrt an einem sonnigen Sommertag, an dem sich der Wind in Grenzen hält, mit einem kleinen Fluss links von der Straße und ein paar grasenden Schafen. Die Songs von Valdimar gehen mehr in Richtung Pop, ohne jedoch kit­schig zu sein oder zu klingen wie jedes zweite Lied, das im Radio gespielt wird. Der Song, den ich verlinkt habe, wurde und wird im isländischen Radio allerdings tatsächlich häufig ge­spielt, im Jahr 2011 gehörte er zu den meistgespielten Songs im Land. Manchmal spielt der Sänger Posaune, auch das ist sehr beeindruckend. Zwischen den Songs machen er und seine Kollegen gerne Witze, auf Englisch, mit diesem unverwechselbaren isländischen Akzent. Val­di­mar erzählt zum Beispiel, dass er den Song „Þes­sir menn“ („Diese Männer“) für seine Schwester geschrieben hat, die früher immer mit Män­nern zusammen war, die nicht gut für sie waren – nachdem er den Song geschrieben hatte, fand sie dann endlich einen Mann, der wirklich zu ihr passt. Mit diesem leicht bluesigen Song beenden die Isländer ihr Set. Die Spendengläser für die Bands, die – wie im Galao üblich – im Publikum herumgegeben wer­den, werden gut gefüllt.

Im Café ist es inzwischen so warm geworden, dass sich wahrscheinlich jeder über eine kühle isländische Brise freuen würde, also gehen wir raus. Rechts vom Eingang haben Kapnorth ei­nen kleinen Merchandise-Stand aufgebaut. Wir kaufen ein Album. Der Drummer sieht uns mit großen Augen an und fragt: „Ihr wollt von uns ein Album kaufen? Aber wir sind doch nur die Vorband!“ Wollen wir wirklich. Ein T-Shirt gibt’s gratis dazu. Die sympathische Bescheidenheit der Band wird noch deutlicher, als der Dummer zu uns sagt: „Es kann sein, dass ihr das Album zwei oder drei Mal hören müsst, um richtig reinzu­kom­men.“ Stimmt übrigens nicht, es funktioniert auch schon beim ersten Mal. Auch von Val­di­mar kaufen wir ein Album, beim Sänger persönlich, und dann gehen wir glücklich nach Hau­se. Beim Frühstück am nächsten Morgen zaubern wir uns mit Hilfe von Musik einen Hauch Is­land in unsere eigene Wohnung.

Kilians (08. Februar)

Die Kilians gehören zu den Bands, die ich bisher am häufigsten live gesehen habe. Nachdem sie 2007 so richtig bekannt wurden und gefühlt ununterbrochen auf Tour waren, habe ich allein inner­halb von zwei Jahren vier ihrer Konzerte be­sucht. Diese Abende garantierten im­mer gute Musik zu einem günstigen Eintrittspreis. Und nun spielen sie also in Stuttgart. Es ist die letzte Gelegenheit für mich, diese Band live zu se­hen – denn das hier ist ihre Ab­schieds­tour. Nachdem das Stuttgarter Konzert, wie auch eini­ge andere, aufgrund einer Erkrankung des Sängers um ein paar Monate verschoben werden musste, ist es an diesem Abend also an der Zeit, Abschied zu nehmen. Aber die Traurigkeit muss warten, erstmal können wir das Konzert genießen.

Ich habe drei Kilians-Shirts im Schrank, alle bei diversen Konzerten erstanden, zwei davon sind durchs Waschen verzogen und zu kurz. Das Dritte passt aber zum Glück noch. Dazu kra­me ich meine alten Vans hervor, die schwarz-rot-karierten, ewig nicht getragen. Die muss ich ziemlich genau zu der Zeit gekauft haben, als das erste Album der Band erschien, das den Ti­tel trägt, der auf meinem T-Shirt zu lesen ist: „Kill the Kilians“. Ich betrachte mich im Spiegel und fühle mich wie damals, wie mit 16. Auch mal nicht schlecht. Passend dazu werde ich am Eingang des Keller Klub nach dem Ausweis gefragt – an diesem Abend werden alle kon­trol­liert, man rechnet wohl mit einer großen Anzahl minderjähriger Konzertbesucher, obwohl doch die „Fans der ersten Stunde“ inzwischen alle mindestens so alt sein müssten wie ich.

Nachdem mein Freund und ich am Vorabend gemeinsam mit einer Freundin vergeblich ver­sucht hatten, in die Marienkirche zu kommen, um dort das Gratiskonzert von Me & Kat Fran­kie & My Drummer zu besuchen (so eine große Menschenmenge bekommt man nur sehr selten freitags abend vor einer Kirche zu sehen), hat die Freundin sich dazu entschlossen, heu­te Abend mitzukommen. Zum Glück gab es noch Karten an der Abendkasse. Meine et­was am­bivalente Haltung gegenüber dem Keller Klub habe ich hier im Blog ja schonmal zum Aus­druck gebracht, heute Abend finde ich ihn als Location allerdings sehr passend, hier hätte ich mich mit 16 sicher total wohl gefühlt.

Die Vorband heißt Baru und kommt aus der Kleinstadt Werdau in Sachsen. Ihr erstes Album trägt den Titel „Sailors of the City“ und klingt eher nach Großstadt. Leicht elektronischer Pop, ei­ne gute Liveband und eine schöne Einstimmung auf die Kilians. Auf jeden Fall empfehlens­wert. Als die Kilians selbst auf die Bühne kommen, wird die Erin­nerung an die „alten Zeiten“ noch stärker als zuvor. Erstaunlicherweise kann ich noch fast al­le Texte auswendig. Ich war schon lange nicht mehr auf einem Konzert, bei dem ein Großteil des Publikums ganze Songs durchhüpft. Mein Freund guckt sich das von weiter hinten an und sagt: „Ich bin zu alt für die­sen Scheiß – aber im positiven Sinne.“ Ein wunderbares Motto für die­sen Abend. Es fühlt sich gut an, sich wie 16 zu fühlen und Textzeilen zu singen, die ich zum ersten Mal gehört habe, als ich noch nicht einmal wusste, dass das Studienfach, in dem ich jetzt gerade meinen Bachelor-Abschluss gemacht habe, überhaupt existiert. Und es fühlt sich auch gut an, sich zu erinnern, an eine Zeit, in der ich beinahe täglich Band-Shirts und Schuhe wie diese trug. An Konzert-Abende in Düsseldorf oder Köln, mit meiner Schwester oder meinen beiden Kon­zert-Kumpels, von denen ich seit dem Abi vor inzwischen fast fünf Jahren (!) nie wieder et­was gehört habe.

Am stärksten sind diese Erinnerungen, am lautes­ten ist meine Stimme beim Song „Home­town“ (den ich weiter oben verlinkt habe): „But my soul can’t take that my soul won’t wait, I got overwhelmed by my hometown. There is no way out and again I shout that I’m still so proud of my hometown.“ Die Kilians kommen aus Dinslaken, also ge­nau wie ich vom Nieder­rhein, und ich habe mich schon immer gefragt, ob es in diesem Song wirklich um Dinslaken geht. Jedenfalls wird mich dieser Song immer an meine eigene Heimat erinnern (auch wenn mich beim Gedanken an Mönchengladbach noch nie ein Gefühl über­kommen hat, das man als „overwhelming“ bezeichnen könnte) und ich werde ihn hören, wenn ich meinen eigenen Text zum Thema Heimat für die Gastpost-Aktion schreibe.

Durch die Auflösung der Kilians geht der deutschen Musikszene eine sehr gute Liveband ver­loren – und vor allem eine großartige Stimme. Die Bandmitglieder sind nur wenige Jahre äl­ter als ich, als sie bekannt wurden, steckten sie gerade mitten im Abistress. Das konnte man sich aber kaum vorstellen, wenn man Sänger Simon Den Hartog singen hörte. Er klang und klingt eher wie Ende 30, man meint, jahrelanges Rockstarleben und viele, viele Zigaretten heraushören zu können. Die Kilians wurden häufig als „Die Strokes vom Niederrhein“ be­zeichnet, diesen Vergleich finde ich musikalisch nicht besonders passend, er zeigt aber durchaus, wie gut diese Band war und welcher Beliebtheit sie sich in Deutschland erfreuen. Und so will keiner so recht wahrhaben, dass es nun vorbei ist, auch die Band selbst scheint sich nur schwer verabschieden zu können. Zum Schluss spielen sie „Fool to Fool“, einen Song, den ich bisher noch nicht hatte live hören können, somit bietet dieses für mich letzte Kilians-Konzert sogar tatsächlich noch eine Premiere. Dann gehen sie von der Bühne. Leider gefallen mir die neusten Shirts nicht besonders, aber ich kaufe eine Tasche von der Band – ir­gendein Andenken brauche ich schließlich. Auch ein Album von Baru nehmen wir mit. Auf dem Rückweg laufe ich mir Blasen in den Vans. Ist das ein Zeichen, dass ich trotz allem keine 16 mehr bin und mich verändert habe? Oder bedeutet es, dass ich die Schuhe einfach wieder öfter tragen sollte?

ClickClickDecker (17. Februar)

Ich gebe es zu, zu diesem Konzert lasse ich mich eigentlich eher „mitschleppen“. Ich stehe ir­gendwie nicht besonders auf Musik mit deutschen Texten. Ich höre zwar gerne ab und an sowas wie Gisbert zu Knyphausen und Konsorten, aber der Anteil an deutscher Musik in mei­ner Sammlung ist doch recht klein, da überwiegen Englisch, diverse andere germanische Sprachen und Est­nisch. Aber da mein Freund seit ein paar Wochen immer das Radio auf volle Lautstärke dreht, wenn „Frühstück im Tierpark Neumünster“ von ClickClickDecker gespielt wird und ich inzwischen auch selbst einen Dauerohrwurm von diesem Lied habe, gehe ich mit. Wir sind insgesamt zu sechst an diesem Abend. Das Konzert findet auch im Keller Klub statt, heute finde ich diesen als Location wieder ziemlich unpassend.

Die Vor“band“ besteht aus einer einzigen Person und heißt Petula. Die erste Hälfte seines Sets finde ich ziemlich furchtbar. Die Musik ist eigentlich ganz gut, aber die aufgesetzt hohe Stimme gefällt mir gar nicht. Eine unserer Freundinnen geht zwischendurch mehrfach raus, um eine zu rauchen, und ich langweile mich. Als sich nach einer Weile die Jungs von Click­ClickDecker zu Petula gesellen und dieser aufhört, seine Stimme zu verstellen, finde ich es deutlich besser – nicht nur, weil er es eigentlich gar nicht nötig hat, mit verstellter Stimme zu singen, sondern auch, weil jetzt einfach mehr auf der Bühne passiert und man so mehr Lust hat, hinzugucken. Trotzdem bin ich froh, als die Hauptband dann anfängt.

Ich muss noch etwas zugeben, und zwar, dass ich bis vor gar nicht allzu langer Zeit immer dachte, ClickClickDecker wäre ein Rapper. Ich finde, der Name klingt einfach danach. Gut, dass ich inzwischen eines Besseren belehrt wurde, sonst wäre ich sicherlich nicht hier. Un­se­re Freundinnen haben sich weiter nach vorne gestellt, da sie das Glück haben, kleiner zu sein als ich. Mir selbst ist irgendwie leicht übel und mein Kreislauf macht nicht ganz mit. Deshalb setze ich mich am hinteren Ende der Tanz- beziehungsweise Zuguckfläche auf eine Bank. So kann ich zwar nicht sehen, was auf der Bühne passiert, aber das stört eigentlich gar nicht. ClickClickDecker machen sowieso Musik, zu der man gerne die Augen schließt und sich so­zu­sagen davontragen lässt, an den Hamburger Hafen oder einen anderen Ort im Norden Deutschlands, wo ClickClickDecker herkommen – oder herkommt? Ich glaube, eigentlich ist das ja nur einer, aber auf der Bühne sind sie zu zweit. Egal. Jedenfalls ist das ein schönes Kon­zert, das am Ende auch die Übelkeit besiegen kann. „Frühstück im Tierpark Neumünster“ ist live zwar nicht ganz so toll wie mein Freund gehofft hatte, aber das kann dem Ganzen auch keinen Abbruch tun. Schade, dass wir danach nicht mit einem Boot nach Hause fahren können, das hätte gut gepasst.

Moderat (23. Februar)

Auch das Konzert von Moderat musste aus Krankheitsgründen verschoben werden. Das traf sich gut, denn von dem ur­sprünglichen Termin im November letzten Jahres hatten meine Freund und ich so kurz­fris­tig erfahren, dass wir nicht hätten hingehen können. Für diesen 23. Februar aber hatten wir schon lange Tickets, dementsprechend groß ist die Vorfreude. Ich war noch nie vorher auf so einem richtig großen Elektro-Konzert mit DJ-Pulten und Lichtshow. Das Konzert findet im LKA-Longhorn statt, einer der größten Konzert-Locations in Stuttgart. Ich habe nach dem Konzert von Two Door Cinema Club im März 2013 eher negative Erinnerungen an das LKA, aber bei Moderat muss man wohl nicht damit rechnen, dass das Publikum zum Großteil aus fünfzehnjährigen Mädels mit superhippen Pudelmützen besteht. Es gibt Gratis-Poster und Tour-Shirts, leider nur in Herrengrößen. Hier zeigt sich einer der wenigen Vorteile, die man hat, wenn man als Frau groß ist: Herrengröße S ist nur geringfügig zu groß, und das auch nur in der Breite. Das letzte Shirt in S hängt zum Angucken auf einem Kleider­bügel über dem Merchandise-Stand, aber der Verkäufer ist so nett, für mich auf eine Kiste zu klettern und es herunterzuholen. Gut, dass wir uns dazu entschieden haben, schon vor Konzertbeginn an den Merchandise-Stand zu gehen.

An diesem Abend sind die Männer in der Überzahl, und es ist wohl kaum je­mand unter 20 im Publikum. Es ist auch weniger voll als bei Two Door Cinema Club, so dass wir uns ziem­lich weit nach vorne stellen können. Auf der Bühne sind zwei transparente Leinwände aufge­baut, die zusammen ein V bilden. Auf der einen erscheint bald der Schriftzug „Anstam„, denn so heißt der DJ, der das Vorprogramm bestreitet. Irgendwo habe ich gelesen, dass er schon Radiohead-Songs remixen durfte. Sein Set fängt ziemlich düster an, bald wird aber klar, dass das nicht die einzige Facette seiner Musik ist. Man kann sich schonmal gut auf Moderat ein­stellen und den richtigen Groove finden, schließlich tanzt man zu dieser Musik anders als zu Indierock. Aber nach dem Abend im Club Kowalski am vorigen Wochenende ist das für mich kein Problem.

Als Moderat schließlich auf die Bühne kommen, beginnt eine richtige Lichtshow mit Textaus­schnitten auf den Leinwänden, Stroboskop-Effekten, bewegten Bildern im Graphic-Novel-Stil und vielem mehr. Wirklich toll gemacht und die perfekte Untermalung zu der Musik. Deshalb verlinke ich hier noch ein Video, das jemand beim Konzert hier in Stuttgart gemacht hat: hier klicken. Ich würde das Konzert folgendermaßen beschreiben: wie eine Party in einem Elek­tro-Schuppen, nur mit was zu Gucken und Klatschen zwischendurch. Wobei Letzteres schon ein bisschen störend sein kann, wenn man tanzt. Das Publikum an diesem Abend finde ich wirklich angenehm, abgesehen von den Leuten neben mir, die sich nicht an das Rauchverbot halten wol­len. Keiner steht einfach ruhig da, man hat Platz, um sich zu bewegen, und bei be­stimmten Songs ist die Freude groß (als „Milk“ beginnt, brüllt jemand hinter mir: „Da ist das Ding!“). Auch die drei auf der Bühne haben sichtlich Spaß und erzählen zwischendurch im­mer wieder mal kleine Anekdoten, was ich gar nicht so erwartet hätte. Bei „Bad Kingdom“ können natür­lich alle mitsingen, es ist der Song, der wohl viele in letzter Zeit erst so richtig auf Mo­derat auf­merksam gemacht hat. Im Gegensatz zu den anderen drei Konzerten in die­sem Februar träumt man sich bei Moderat nicht an einen anderen Ort und auch in keine andere Zeit, das ist Musik fürs Hier und Jetzt, für eine Location wie diese. Die Augen bleiben offen, die Beine bewegen sich wie von selbst.

Es gibt drei oder vier Zugaben, danach stehen alle noch eine Weile da, einfach geflasht von dem, was wir gerade erleben durften. Es folgt langes Anstehen an der Garderobenschlange. Das Poster ist leider während des Konzerts et­was in Mitleidenschaft gezogen worden, aber das ist nicht weiter schlimm, es wird mich im­mer an diesen sehr guten Abend erinnern.

 

P. S.: Kleines Update zum letzten Post. Inzwischen ist das Crowdfunding-Projekt für das Galao online. In dem dazugehörigen Video kann man auch den Song von Two Wooden Stones in einer besseren Version hören und einen Eindruck bekommen, wie schön diese Location ist.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s