Ankündigung & Aufruf

Beim letzten Mal schrieb ich von einer „besonderen Aktion“, die bald hier gestartet werden sollte. Jetzt ist dieses „bald“ gekommen. Jetzt erfahrt ihr, was ich damit gemeint habe. (You’ll find information in English at the end of this post).

Vor ein paar Monaten bezog ein neues Buch unser Bücherregal. Der grellorange Band trägt den Titel „Weather Reports You“ und ist eine Veröffentlichung von Vatnasafn/Library of Wa­ter, einer Mischung aus Museum, Dokumentationsstätte und Schriftstellerhaus in Stykkis­hól­mur im Westen Islands. Das Buch enthält kurze Texte über das Wetter, die aus mündli­chen Er­zäh­lungen von Menschen entstanden sind, die in den Jah­ren 2005/2006 in Stykkishólmur und Umgebung gelebt haben. Sie wurden damals da­zu aufgefor­dert, von ihren persönlichen Er­fahrungen mit dem Wetter zu berichten. Die Texte sind zwis­chen einer hal­ben und drei Sei­ten lang und enthalten die unterschiedlichsten Ge­schichten. Man­che der Personen erzäh­len von einem besonderen Erlebnis, andere wie­derum schildern ganz allge­mein, wie das Wet­ter sie im Alltag beeinflusst, welches Wetter sie be­sonders gerne mögen, oder auch, wann das Wetter ihnen Angst macht.

Roni Horn, die Herausgeberin des Buches und Gründerin von Vatnasafn, schreibt in der Ein­lei­tung: „Everyone has a story about the weather. This may be one of the only things each of us holds in common. […] Small talk everywhere occasions the popular distribution of the wea­­ther. Some say talking about the weather is talking about oneself. This seems to hold true in a general sense on an individual level. But for entire populations as well the weather is re­flection and measure.“ Gerade Island mit seinem rauen, sehr unbeständigen Klima, an das man sich gewöhnen, das man aber niemals ignorieren kann, eignet sich natürlich her­vorra­gend für eine solche Erfahrungssammlung zum Thema Wetter. Man kann sich in Island nicht auf einen Wetterbericht in Zeitung, Radio oder Fernsehen verlassen, man muss immer auf alles vorbereitet sein. Man muss damit leben. Ich habe selbst erlebt, dass man auf einer Is­land-Reise anfangs ständig über das Wetter nachdenkt, hofft, dass es nicht regnet, sich freut, wenn die Sonne scheint, und den Wind verflucht. Aber nach ein, zwei Tagen beginnt man, das Ganze gelassen zu sehen, man kann sowieso nichts daran ändern. Darauf muss man sich einfach einlassen, wenn man nach Island kommt. Der Bericht einer alten Frau in „Weather Reports You“ endet mit einem kurzen Gedicht: „The weather’s neither bad nor good/hardly cold, not hot, not cool/It’s neither dry nor wet, you could/say it’s nothing much at all“. Ich finde, das trifft es ziemlich gut.

Aber es soll hier eigentlich nicht um isländisches Wetter gehen. Sondern um eine Idee, die ich schon einmal hatte, nämlich als ich vor etwa einem Jahr das Buch „Meie Inimesed“ las, in dem verschiedene Personen über ihr Heimatland Estland erzählen. Ich mag solche Sammlungen von Berichten unterschiedlichster Personen, die alle ein be­stimmtes Thema behandeln. Deshalb würde ich gerne selber ein solches Projekt starten. Mei­ne erste Idee war, einfach das Thema von „Weather Reports You“ aufzugreifen, aber dann kam ich durch den zweiten Satz in dem obenstehenden Zitat von Roni Horn, diverse Ge­spräche mit Freunden und erneutes Durchblättern von „Meie Inimesed“ auf ein anderes Thema: Heimat. Ich glaube, Heimat ist neben dem Wetter „one of the only things each of us holds in common“. Gleich­zeitig bedeutet Heimat aber für jeden etwas anderes. Was genau, würde ich gerne von euch wissen.

Deshalb fordere ich jeden, der Lust hat, sich zu beteiligen, dazu auf, einen Text zum Thema Heimat zu verfassen. Ich werde die Berichte dann als eine Reihe von Gastbeiträgen hier im Blog veröffentlichen. Auch ich selbst werde natürlich einen Text schreiben. Das Thema be­schäftigt mich schon seit längerer Zeit, weswegen ich früher oder später wahrscheinlich so­wieso einmal für den Blog darüber geschrieben hätte. Von euch kann wirklich ausnahmslos je­der an der Aktion teilneh­men, ganz gleich, ob ihr (wie ich) eure gesamte Kindheit und Ju­gend in der gleichen Stadt verbracht habt oder schon gefühlte tausend Mal umgezogen seid. Es ist egal, ob ihr sofort ein bestimmtes Bild vor Augen habt, wenn ihr das Wort Heimat hört, oder ob ihr eure Hei­mat vielleicht noch gar nicht gefunden habt. Und es ist auch egal, ob ihr schon seit langer Zeit viel und gerne schreibt, oder noch nie etwas in dieser Richtung ver­fasst habt.

Hier einmal Genaueres dazu, wie ich mir das Ganze vorstelle:

– die Texte sollten maximal drei DIN A4-Seiten lang sein, eine Untergrenze gibt es nicht.

– es soll in den Texten um eure eigene Sicht gehen. Wie persönlich ihr das Ganze ver­fassen wollt, ist eure Entscheidung, aber es soll eben nicht um fiktive Charaktere ge­hen. Und bitte achtet darauf, nicht allzu weit vom eigentlichen Thema abzuschwei­fen, kleinere „gedankliche Umwege“ sind aber natürlich erlaubt.

– die Texte sollten mit eurem Namen, Alter, Beruf und aktuellem Wohnort versehen werden, aber nur, wenn ihr das wollt. Ich kann die Texte auf Wunsch auch anonym oder nur mit einem Teil der Angaben veröffentlichen. Auf jeden Fall aber werde ich kenntlich machen, dass nicht ich den Text verfasst habe.

– die Texte sollten auf Deutsch oder Englisch verfasst werden.

– wer möchte, kann Bilder hinzufügen. Der Schwerpunkt sollte allerdings auf dem Text liegen, daher sollten es nicht mehr als fünf Bilder pro Text sein. Bitte fügt nur Bilder an, die ihr selbst gemacht habt, oder deren Verwendung euch ausdrücklich erlaubt wurde.

– ich werde an den Texten nichts verändern, abgesehen von einer Korrektur even­tueller Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler (aber ich kann natürlich nicht ga­rantieren, dass ich restlos alle Fehler finde). Außerdem werde ich natürlich keine Tex­te veröffentlichen, die in irgendeiner Weise Personen beleidigen oder sonst ir­gend­wie nicht in Ordnung sind. Aber ich gehe davon aus, dass sowas gar nicht erst vorkommt.

– bezüglich des Stils gibt es keinerlei Vorgaben, ihr könnt humorvoll schreiben oder philosophisch oder spannend oder oder oder. Auch Gedichte sind willkommen.

– das Ganze ist kein Wettbewerb. Der einzige Preis, den es gibt, ist, dass euer Text hier im Blog zu lesen sein wird. Ich weiß, der Blog hat nicht wahnsinnig viele Leser, aber die, die ihn lesen, tun das regelmäßig und geben häufig Feedback. Und wenn mir ein Text besonders gut gefällt, sind weitere Gastbeiträge ja nicht ausgeschlossen.

– wer mitmachen möchte, kann mich über den Blog, auf Facebook oder per­sönlich kontaktieren. Ich gebe euch dann die Mail-Adresse, an die ihr eure Texte schicken könnt.

– Einsendeschluss für die Texte ist Sonntag, der 09.03.2014. Sollte es passieren, dass ich bis dahin keinen Text bekommen habe, werde ich je nach Situation die Frist verlängern oder aber die ganze Aktion abblasen (siehe dazu auch unten).

– sobald ich die Texte bekommen und gegebenenfalls korrigiert habe, werde ich anfan­gen, sie in möglichst kurzen Abständen nacheinander zu posten, in zufälliger Reihen­folge. Sehr kurze Texte werde ich, je nachdem wieviele insgesamt eingehen, auch in Doppel- oder Dreierpacks posten. Wann die Serie abge­schlossen sein wird, hängt na­türlich davon ab, wie viele Tex­te letztend­lich zusam­menkommen.

Inhaltlich könnt ihr euren Text natürlich ganz nach euren eigenen Ideen gestalten. Hier sind noch ein paar Fragen, die mir zu dem Thema schon durch den Kopf gegangen sind, und die euch vielleicht inspirieren könnten (die ihr aber nicht beantworten müsst, denn vielleicht ist das sowieso unmöglich): Kann man Heimat definieren und, wenn ja, wie? Kann Heimat nur ein be­stimmter Ort sein oder auch mehrere verschiedene Orte? Ist der Ort, an dem man ge­boren wurde, automatisch Heimat? Wie viel umfasst der Begriff der Heimat überhaupt – ein Land, eine Stadt, ein Viertel, ein Haus? Braucht jeder Mensch eine Heimat oder ist das nicht so wichtig? Reicht es, an dem Ort zu sein, den man als seine Heimat ansieht, oder braucht es noch mehr, damit sich das Heimatgefühl einstellt? Wie viel hat Heimat mit der persönlichen beziehungsweise der Familiengeschichte zu tun? Kann ein Ort Heimat sein, an dem man noch nie gelebt hat, den man nur aus dem Urlaub kennt? Bleibt ein Ort Heimat, wenn alle Menschen, die einem dort wichtig sind, ihn verlassen? Kann man einen Ort als seine Heimat ansehen, an dem man nicht gerne (wieder) leben würde? Welche Faktoren beeinflussen uns in unserer Haltung zum Thema Heimat (allgemeine Kultur, Erziehung, Umfeld, Bil­dung, …)?

Ich würde mich freuen, wenn einige Texte zusammenkommen. Wer will, kann natürlich ger­ne auch Leuten in seinem Umfeld von der Aktion erzählen. Ich weiß, dass dieser Blog bisher nicht besonders viele Leser hatte, und vielleicht ist meine Idee auch völlig abwegig oder zu ambitioniert für einen so unbekannten Blog, aber ich probiere das jetzt einfach mal aus. Ex­periment gestartet.

Information in English:

The „task“ is to write a text about the concept of „home„. Here are the most important things participants need to know:

– Your text can be as short as you like, but it shouldn’t be longer than 3 standard pages.

– The text should be written from your own perspective, about your own opinion. It is up to you to decide how personal you would like your text to be, but it should not be about fictional characters. And please try not to wander from the subject too much. However, it is totally okay to tell a few side-stories or go into greater detail if neces­sary.

– Please give your name, age, profession/occupation and current location when you submit your text. However, you don’t have to. If you prefer to have your text published anonymously, just tell me. In any case I’m going to make it obvious that it wasn’t me who wrote the text.

– Please write in English or German.

– If you like, you can add some pictures, but the focus should be on the text, so please don’t add more than five pictures. And please only use pictures that you have taken yourself or have explicitly been allowed to use by the person who took them.

– Apart from corrections as far as spelling and punctuation are concerned, I’m not going to edit your text in any way (and I cannot guarantee that I’ll find each and every mistake). Of course I won’t publish texts that insult people or groups of people or are „politically incorrect“ in any way. But I’ll just assume nobody will submit a text that I can’t publish.

– There are no rules or limits concerning the style of your text. It can be humorous, philosophical, exciting or whatever. Poems are also very welcome.

– This is not a contest. The only prize you get is having your text posted in this blog. I know this is not exactly the world’s most successful blog, but the people who do read it do so regularly and often give feedback. And if I like your text very much, I might as well ask you to write further guest posts.

– You would like to take part? Please contact me via this blog, via Facebook or in person. I will then give you the e-mail address you can send your text to.

– Please hand in your text until the 9th of March, 2014. However, I might postpone the deadline if nobody hands in any texts until then. I might as well have to call the whole thing off if nobody takes part.

– As soon as I have received and – if necessary – corrected the texts, I will start posting them here in random order. I will try not to let too much time pass between two posts. If the total number of submitted texts is very high, I might post two or three very short texts together at a time.

Here are some questions that you might want to consider when writing your text (but you don’t have to answer any of them – that’s probably impossible anyway): Can „home“ be defined? And if yes, what is the definition? Is it possible to feel at home in several different places? Is the place you were born in automatically your home? What does the word „home“ comprise – a whole country, a town, a neighbourhood, a house? Does every human being need a home or is that not important at all? Is it enough to be in the place you consider your home to actually feel at home, or is there anything else that plays an important role in that? How much does the sense of home have to do with your or your family’s history? Can you consider a place your home that you have never actually lived in, that you only know from spending your holidays there? Does a place remain your home even after everybody you care about has moved away from there? Can you consider a place your home even if you can’t imagine living there (or moving there again)? Which factors influence our attitude towards the concept of „home“ (general culture, the way we have been brought up, environment, education, …)?

Feel free to tell your friends, family, colleagues, whomever about this project. I am looking forward to receiving your texts.

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2 Gedanken zu „Ankündigung & Aufruf

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