Notizen zur BA, Teil 4

So. Meine Bachelorarbeit ist fertig. Jedenfalls formal. Inhaltlich hab ich das Gefühl, dass man wohl kein Thema jemals so richtig abschließen kann. Man hätte auch ein ganzes Buch darüber schreiben können. Aber gut. Ich hab meine Pflicht erfüllt. Ich muss nur noch die drei gebundenen Exemplare abholen und das Ganze abgeben. Und dann liegt es nicht mehr in meiner Hand. Die letzten paar Tage waren richtig stressig und ich weiß jetzt, was die Omas meinen, wenn sie von „viereckigen Augen“ sprechen – so viel saß ich vor dem Computer. Und jetzt fällt es mir schwer, zu glauben, dass ich wieder Freizeit hab, dass ich nicht mehr dauernd über die Arbeit nachdenken muss. Stressig wird die nächste Zeit zwar auch wieder (ich muss Bewerbungen schreiben und für meine letzte Klausur im Bachelorstudium lernen etc.), aber zumindest das habe ich jetzt hinter mir. Hier ist nun für euch der letzte Teil meiner Notizen zur BA.

– Der Krimi „Höllenengel“ von Þráinn Bertelsson spielt nicht nur in Island, sondern auch in den Niederlanden und Estland.

– Einen der wohl längsten Romantitel aller Zeiten hat sich der isländische Autor Ófeigur Sigurðsson ausgedacht: „Skáldsaga um Jón og hans rituðu bréf til barnshafandi konu sinnar þá hann dvaldi í helli yfir vetur og undirbjó komu hennar og nýrra tíma“. Übersetzt heißt das etwa „Roman über Jón und den Brief, den er seiner schwangeren Ehefrau schrieb, als er den Winter über in einer Höhle lebte und ihre Ankunft und eine neue Zeit vorbereitete.“

– Ein deutscher Literaturkritiker hat die Handlung der Sagas einmal so zusammenge­fasst: „Bauern prügeln sich“.

– Ein chinesischer Immobilienunternehmer spendete 2010 eine Million Dollar an den „Iceland-China Cultural Fund“. Damit sollte unter anderem ein jährlich stattfindendes isländisch-chinesisches Lyrikfestival finanziert werden. Dieses fand 2013 auch tatsächlich bereits zum dritten Mal statt. Wie der Chinese auf die Idee kam, das Geld zu spenden? Er teilte sich während seines Studiums in Peking ein Zimmer mit einem Isländer, dessen Mutter den beiden jungen Männern in einem besonders kalten Winter Pullover strickte. Aufgrunddessen sagt der Chinese, er sei dem isländischen Volk zu ewiger Dankbarkeit verpflichtet. Und er hat eine Vorliebe für Lyrik.

– Die Stadtbibliothek Reykjavík gibt auf ihrer Internetseite an, 366 Stunden pro Woche geöffnet zu haben. Wie das gehen soll, wird nicht erläutert.

– Im November 2013 fand in Reykjavík zum ersten Mal das Krimi-Festival „Iceland Noir“ statt. Das wollte ich wegen seines besonderen Konzepts – alle Veranstaltungen fanden auf Englisch statt und kosteten keinen Eintritt – in meiner Arbeit erwähnen. Leider war es nach dem Festival geradezu unmöglich, an Infos (aus seriösen Quellen) zu Ablauf, Erfolg und Zukunft des Festivals zu kommen. Deshalb habe ich einfach mal auf der Facebook-Seite des Festivals gefragt, ob jemand einen Tipp hat, wo ich was finden könnte. Die Antwort kam von Quentin Bates, britischer Krimiautor und Mit-Organisator von „Iceland Noir“ (seine Krimireihe spielt in Island): Ich solle einfach Fragen stellen, er würde sie beantworten und könnte mir auch Kontakt zu Leuten vermitteln, die beim Festival anwesend war. Seine Antworten waren sehr ausführlich und wirklich hilfreich. Bates ist zwar kein Isländer, aber trotzdem fühle ich mich in meiner These, dass Schriftsteller in Island sehr „volksnah“ sind, voll bestätigt.

– Bei der Buchmesse in Reykjavík 2013 konnte man unter anderem gemeinsam mit dem Verlag Forlagið an einem endlos langen Schal stricken, am Tischkicker gegen den Kinderbuchautor Gunnar Helgason antreten und seinem Lieblingsautor eine Weihnachtskarte schreiben.

– Als mein Vater und ich im vergangenen Sommer den kleinen Ort Hofsós im Norden Islands besuchten, fiel uns auf, dass vor einem Haus am Hafen eine amerikanische und eine kanadische Fahne im Wind flatterten. Im Zusammenhang mit der Bachelorarbeit stieß ich zufällig auf den Grund für die amerikanische Flagge: dieses Haus war das Sommerhaus des 2009 verstorbenen amerikanischen Dichters und Essayisten Bill Holm. Irgendeine Verbindung zu Kanada habe ich aber nicht entdecken können.

– Mein isländischer Lieblingsregisseur Dagur Kári, der so großartige Filme wie „Nói Albinói“ und „Ein gutes Herz“ gemacht hat, ist Mitglied der Jury für die Vergabe der „Writer in Residence“-Stipendien der Vatnasafn/Library of Water (die hier im Blog noch ausführlicher erwähnt werden wird).

– Unter einem Artikel auf icelandreview.com steht über den Autor unter anderem Folgendes: „he is married and has a small, but noisy child“.

– Wie konnte ich nur annehmen, dass es mir dieses Mal schwerfallen würde, auch nur die Minimalzahl der abzuliefernden Seiten zu füllen? Natürlich hab ich wieder zu viel geschrieben. Ich würde auch bei einer Vorgabe von 1000 Seiten zu viel schreiben. Und ich habe mehr als 350 Fußnoten. Aber wie gesagt, das ist mir egal. Glaub ich jedenfalls.

– Große Freude kam auf, als ich feststellte, dass ich vor der Abgabe der BA zum Drucken und Binden vergessen hatte, das automatische Inhaltsverzeichnis zu aktualisieren. Jetzt stehen teilweise falsche Seitenangaben in meiner Arbeit. Super …

Und ab jetzt verschone ich euch mit dem Abschlussarbeits-Gejammer, wenigstens solange, bis die Masterarbeit ansteht.

Advertisements

2 Gedanken zu „Notizen zur BA, Teil 4

  1. Jetzt erst einmal Glückwunsch zu fertigen BA-Arbeit! Und natürlich vielen Dank, dass Du uns Leser mitgenommen hast auf diese interessante Reise!

    Die Stadtbibliothek Reykjavík hat 366 Stunden pro Woche geöffnet? Sieh mal an, da bekommt das Wort „Zeitfenster“ im wahrsten Sinne des Wortes eine neue Dimension. Und wer Island kennt und schätzt, weiß, dass es dort in gewisser Weise sogar möglich ist … ;o)

    1. Danke, ich bin auch sehr glücklich, dass ich es geschafft habe. Das Thema ist zwar echt spannend und hat mir auch Spaß bereitet, aber stressig war’s trotzdem.

      In Island hat der Tag anscheinend ein paar Stunden mehr als in Deutschland … :D

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s