Warum „Handlungsfrei“?

Als ich 14 war, schrieb ich einen Roman. Es war nicht das erste Mal, dass ich etwas zu Papier brachte, schon zu Grundschulzeiten kritzelte ich Geschichten in Notizbücher und Schulhefte. Aber es war das erste Mal, dass ich etwas Längeres schrieb, etwas, was ich nicht nach zwei Seiten wieder aufgab. Es wurden 103 Seiten daraus, und ich war deswegen sogar mal in der Zeitung. Damals wurde ich oft gefragt, worum es denn gehe in dem Roman. Diese Frage brachte mich in Verlegenheit, meine Standardantwort lautete: „Eigentlich gibt es keine richtige Handlung.“ Und das ist wahr, es gibt keine Story, keinen Spannungsbogen, nichts, worauf das Ganze hinsteuert. Es geht einfach nur um einen Typen Anfang 20, der in Mönchengladbach, meiner Heimatstadt, lebt und arbeitet. Es war eine kreative Umsetzung meiner eigenen Beobachtungen vom Leben in dieser Stadt, in der ich aufgewachsen bin, und eine Möglichkeit für mich, zu formulieren, zu beschreiben, meine Figuren tun zu lassen, was auch immer mir in den Sinn kam. Das fand und finde ich gut, ich hatte einfach keine Lust, mich auf etwas festzulegen, weswegen es mir auch sehr schwer fiel, mir irgendwann einen Schluss für den Roman auszudenken, der übrigens nie veröffentlicht wurde. Ich plane nie großartig im Voraus, wenn ich schreibe, und ich habe es gehasst, wenn das sogenannte „Geschichtengerüst“ im Deutschunterricht der Unterstufe Teil der Schreibaufgabe war. Ich bin mehr ein Drauf-los-Schreiber.

Und so soll es auch mit diesem Blog sein. Ich habe vor, hier einfach zu posten, was ich will. Mal lange Einträge, mal kurze. Ich werde mich mal wieder nicht festlegen. Nicht auf irgendeine Form von Regelmäßigkeit, nicht auf irgendein Thema (denn das habe ich in meinem anderen Blog schon), noch nicht einmal auf eine Sprache. Wenn ich irgendwann mal Lust habe, etwas z. B. auf Englisch zu schreiben, dann werde ich das tun. Und wenn ich einmal einfach nur etwas verlinken möchte, was ich gerade entdeckt habe, tu ich auch das. Nur eins ist klar: Das hier wird kein Tagebuch, kein öffentliches Breittreten meiner persönlichen Probleme.

Ich habe auch vor, ab und an Dinge zu posten, die ich geschrieben habe. Das bedeutet eine große Veränderung für mich, denn die meisten Dinge, die ich bisher verfasst habe, hat außer mir selbst noch nie jemand zu lesen bekommen. Warum eigentlich nicht? Mangelndes Selbstvertrauen? Angst, andere mit meinem Kram zu langweilen? Die Idee, dass das alles nicht gut ist? Wahrscheinlich von allem etwas. Aber als ich mich vor ein paar Wochen mit einem sehr guten Freund unterhielt, der selber auch gerne (und gut!) schreibt, wurde mir klar, dass ich ruhig mal zeigen kann, was ich so schreibe und schon geschrieben habe. Ich kann ja selbst entscheiden, in welchem Umfang das geschieht, und wenn mir irgendwas zu persönlich ist, dann liest es halt keiner, erst recht nicht das Internet. Ich weiß, dass es vor allem meine Familie und Freunde erstaunen wird, dass ich vorhabe, hier Ausschnitte meines „Schaffens“ zu präsentieren, aber ich glaube, ich kann das so einfach besser, als wenn ich jemandem einen Ausdruck in die Hand drücke und dann danebenstehe, während derjenige es liest. Und es geht mir auch darum, überhaupt wieder mehr zu schreiben, denn in den letzten Monaten habe ich das so gut wie gar nicht mehr getan.

Wegen alledem trägt der Blog den Titel „Handlungsfrei“. Frei in den Handlungen, frei von Handlung – wie auch immer man das interpretieren möchte. Mal sehen, was die Zukunft so für diesen Blog bereithält.

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15 Gedanken zu „Warum „Handlungsfrei“?

  1. Finde ich gut!
    Und: Es wundert mich kein bisschen, das Du das jetzt machst.
    Deine „einleitenden Worte“ sind sehr überzeugend.

  2. „Our doubts are traitors, And make us lose the good we oft might win By fearing to attempt“ – William Shakespeare (Measure for Measure).

    Ich freue mich sehr darauf, etwas von dir lesen zu dürfen.

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